Loslassen lernen: Die eine Technik, die wirklich funktioniert

Loslassen lernen – die eine Technik, die wirklich an die Wurzel geht. Einfach und kraftvoll.
Beitrag von
Lorelle Dehnhard
21.05.2026
6
min Lesezeit
Teilen auf:

Inhaltsverzeichnis

Loslassen lernen gehört zu den größten Herausforderungen, mit denen Menschen im Coaching zu mir kommen und gleichzeitig zu den tiefgreifendsten Veränderungen, die möglich sind.

Die meisten Ratschläge zum Thema setzen auf der mentalen Ebene an: umdeuten, rationalisieren, den Fokus verlagern. Das kann kurzfristig helfen, aber es greift zu kurz. Denn echtes Loslassen findet nicht im Kopf statt. Es findet im Körper statt, in der emotionalen Ebene, die hinter den Gedanken liegt.

In diesem Artikel zeige ich dir eine Technik, die genau dort ansetzt. Sie ist einfach, aber tiefgreifend. Wenn du sie regelmäßig anwendest, kann sie buchstäblich den Unterschied machen zwischen einem Leben in innerer Freiheit und einem Leben, das von alten Mustern und ungelösten Gefühlen geprägt ist.

Hinweis: Die Grundlage dieser Technik stammt aus dem Buch „Letting Go – The Pathway of Surrender“ von David R. Hawkins. Ich habe sie durch meine Erfahrungen aus dem Coaching ergänzt und weiterentwickelt.

Warum Loslassen so schwer ist und warum mentale Ansätze oft nicht reichen

Alles, womit wir innerlich kämpfen, hat seine Wurzeln in einem emotionalen Konflikt. Auch Probleme, die auf den ersten Blick rein kognitiv wirken, sind emotional grundiert. Zwei Beispiele:

Gedankenkreisen wirkt wie ein mentales Problem, dahinter steckt oft das Gefühl von Unsicherheit oder Angst vor der Zukunft.

Höhenangst scheint eine rationale Phobie zu sein, tatsächlich ist es die emotionale Angst vor dem Fallen oder dem Kontrollverlust.

Solange wir nur auf der mentalen Ebene arbeiten, bleiben diese emotionalen Wurzeln unangetastet. Das ist der Grund, warum viele Menschen jahrelang an einem Thema arbeiten und trotzdem das Gefühl haben, nicht wirklich freizukommen.

Gedanken sind Boten

Gedanken sind keine eigenständigen Probleme, sie sind Boten deiner Emotionen. Jeder wiederkehrende Gedanke zeigt dir eine Emotion, die du in dir trägst und oft unbewusst unterdrückst. Wenn du also wirklich loslassen willst, musst du dorthin gehen, wo der Gedanke dich hinweist: zu dem Gefühl, das darunter liegt.

Die Loslassen-Technik: Schritt für Schritt

Das Prinzip der Technik ist so einfach wie wirkungsvoll: Du richtest deine volle, urteilsfreie Aufmerksamkeit auf die Emotion – so lange, wie sie es braucht. Zwei Dinge sind dabei entscheidend:

Kein Urteil. Nicht bewerten, ob das Gefühl „richtig“ oder „übertrieben“ ist. Einfach da sein.

Kein Zeitdruck. Nicht fragen „Wann hört das auf?“, sondern vollständig präsent bleiben.

Jede Emotion hat genau ein Bedürfnis: deine bedingungslose, urteilsfreie Anwesenheit. Um die Emotion besser zu spüren, nutzt du den Körper als Anker – denn jedes Gefühl hinterlässt eine körperliche Empfindung: eine Enge in der Brust, ein Kribbeln im Bauch, eine Schwere in den Schultern.

Anleitung

1. Nimm eine bequeme Haltung ein. Entspanne deinen Körper.

2. Atme einige Male tief durch. Lass beim Ausatmen Spannung los.

3. Ruf dir etwas ins Bewusstsein, das du loslassen möchtest einen Gedanken, eine Erinnerung, ein Verhalten, einen Wunsch. Buchstäblich alles funktioniert.

4. Fokussiere dich darauf – und spüre sofort nach innen: Was fühle ich gerade?

5. Welche Emotionen tauchen auf? Kannst du sie benennen? Widerstand, Trauer, Wut, Angst, Frustration?

6. Wo im Körper spürst du die Emotion? Kopf, Hals, Brust, Bauch, Rücken?

7. Beschreibe die Empfindung so genau wie möglich mit Farben, Temperaturen, Aggregatzuständen. Zum Beispiel: „Ein brennendes Ziehen hinter den Augen.“ Oder: „Eine schwere, kalte Masse in der Magengegend.“

8. Bleib vollständig bei dieser Körperempfindung.

9. Lass dich in sie hineinsinken. Entspanne dich hinein.

10. Kein Urteil, kein Blick auf die Uhr. Bleib so lange, wie die Emotion es braucht, das können 1, 5 oder 20 Minuten sein.

11. Bleib, bis du eine spürbare Erleichterung oder ein Nachlassen der Empfindung wahrnimmst.

12. Oft gibt es mehrere Schichten: Die erste Empfindung verwandelt sich in eine neue. Wenn das passiert, wiederhole den Prozess für die neue Empfindung.

13. Arbeite so lange weiter, bis du in deinem ganzen Wesen eine tiefe Stille und Ruhe fühlst.

Was dich auf dem Weg erwartet

Emotionen, Glaubenssätze, Traumata und Wünsche bestehen selten aus nur einer Schicht. Die meisten haben mehrere Ebenen und unterschiedliche Intensitäten.

Wenn du zum ersten Mal in ein Thema hineingehst, begegnest du oft zuerst dem Widerstand, einem Schutzgefühl, das die eigentliche Emotion bedeckt. Nutze die Technik dann zuerst für den Widerstand, und arbeite dich von dort aus weiter vor.

Ehrliche Warnung: Die Emotionen können sich intensivieren, sobald du ihnen Aufmerksamkeit schenkst. Das ist normal und sogar ein gutes Zeichen. Kurz vor dem Nachlassen werden sie oft am stärksten. Bleib dran.

Es ist selten genug, einmal an einem Thema zu arbeiten. Oft braucht es mehrere Sitzungen über mehrere Tage, um sich wirklich freizumachen.

Woran du erkennst, dass du wirklich losgelassen hast

Der Verstand wird dir sagen, du seist fertig – meistens zu früh. Das echte Zeichen für vollständiges Loslassen ist ein Zustand tiefen Körper-Geist-Friedens. Weitere Hinweise:

• Du denkst nicht mehr spontan an das Thema.

• Die emotionale Erinnerung daran lässt sich kaum noch abrufen, sie ist schlicht nicht mehr aufgeladen.

• Die Gedanken, die dich früher immer wieder zu diesem Gefühl geführt haben, kommen nicht mehr.

• Deine Realität verändert sich: Situationen, die dich früher getriggert haben, tun es nicht mehr.

Ein paar letzte Hinweise

Dein Verstand wird sagen: „Das ist zu einfach.“ Das ist kein Zeichen, dass die Technik nicht funktioniert, es ist ein Zeichen, dass du auf etwas Echtes gestoßen bist.

Du wirst vergessen, was du losgelassen hast. Nicht weil die Erinnerung weg ist, sondern weil die emotionale Ladung dahinter aufgelöst ist. Das ist Absicht.

Je mehr du übst, desto leichter wird es. Und desto freier wirst du.

Wenn du diese Technik zur täglichen Praxis machst, ist sie eine der kraftvollsten Investitionen, die du in dein inneres Wohlbefinden tätigen kannst.

Häufige Fragen zum Loslassen lernen (FAQ)

Wie lange dauert es, bis die Technik wirkt?

Das ist sehr individuell. Manche spüren bereits nach wenigen Minuten eine spürbare Erleichterung. Tief verwurzelte Themen, wie alte Traumata oder langjährige Glaubenssätze, brauchen oft mehrere Sitzungen über mehrere Tage. Die Technik wirkt, aber sie ist kein Schnellfix. Regelmäßige Praxis ist entscheidend.

Kann ich die Technik alleine anwenden, oder brauche ich Unterstützung?

Ja, du kannst sie selbstständig anwenden und für die meisten Alltagsthemen ist das auch problemlos möglich. Bei tiefen Traumata oder sehr intensiven Emotionen empfehle ich, die Arbeit zusätzlich mit einem Coach oder Therapeuten zu begleiten. Ein professioneller Rahmen gibt Halt, wenn die Emotionen besonders stark werden.

Was, wenn ich gar nichts fühle – oder mich von meinen Gefühlen abgeschnitten fühle?

Das ist häufiger als du denkst, vor allem bei Menschen, die gelernt haben, Emotionen zu unterdrücken. Beginne dann besonders behutsam: Konzentriere dich auf ganz kleine, subtile Körperempfindungen. Auch ein leichtes Kribbeln, eine minimale Anspannung oder ein kaum wahrnehmbares Drücken sind ein Eingang. Das Gefühl kommt mit der Zeit.

Funktioniert die Technik auch bei Stress und Überforderung im Alltag?

Absolut. Die Technik eignet sich hervorragend für akuten Stress, Druck vor Entscheidungen oder emotionale Überforderung. Auch eine kurze Einheit von fünf Minuten kann bereits eine spürbare Wirkung haben. Je öfter du übst, desto schneller kannst du in schwierigen Momenten darauf zurückgreifen.

Muss ich an etwas Bestimmtes glauben, damit die Technik wirkt?

Nein. Die Technik ist weder spirituell noch weltanschaulich gebunden. Sie basiert auf einem einfachen Prinzip: Gefühle wollen gefühlt werden. Was du brauchst, ist keine Überzeugung, sondern nur die Bereitschaft, dich für einen Moment mit dir selbst zu verbinden.

Wie oft sollte ich die Technik anwenden?

Täglich, wenn möglich. Auch kurze Einheiten zählen. Wer die Technik regelmäßig anwendet, bemerkt mit der Zeit eine grundlegende Veränderung: mehr innere Ruhe, weniger emotionale Reaktivität und ein wachsendes Gefühl von Freiheit im Alltag.

Der erste Schritt

In 30 Minuten klären wir Ihr Anliegen, das Ziel und ob eine Zusammenarbeit sinnvoll ist. Unverbindlich und vertraulich.